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Ich denke immer als erstes daran, mein Kapital zu schützen, bevor ich darüber nachdenke, wie ich es vermehren kann.

- Paul Tudor Jones

Herausforderung: "80-90% of Trades lose money" – Automatisches Trading-Setup als mögliche Antwort

Motivation

Diesem Blog-Artikel sind bereits ca. 12 Monate virtuelles als auch live-Trading mit einer automatischen Trading-Plattform und Trading-Strategie(n) vorausgegangen. Der Blog-Post ist dabei nur eine aktuelle „Gedanken-Spirale“, um die Ziele und die zugehörige Strategie tatsächlich nochmals zu strukturieren und auch für andere zugänglich zu machen.

Es gibt eine Reihe von Studien inkl. Blog-Artikel die mit harten Fakten belegen, dass Day-Trading von der Wahrscheinlichkeitsbetrachtung kein logisch anzustrebendes Ziel sein kann. Wie in den nachfolgenden Studien und Quellen, die ich nur beispielhaft herausgesucht habe, sind kaum höhere Erfolgswahrscheinlichkeiten als 15% für ein erfolgreiches dauerhaftes Day-Trading anzunehmen. Zudem ist allein der Aufwand für die Einarbeitung in die Trading-Materie und vor allem der Zeitaufwand für aktives Trading enorm, da die Märkte praktisch 24h geöffnet haben und man selbst beim Fokus auf die aktiven Trading-Phasen z.B. der US-Märkte zwischen 08:00 und 23:00 Uhr sehr viel Zeit einplanen kann bei manuellem Trading. Ein großes Thema beim Trading ist aus meiner Sicht zudem die Einsamkeit, die man eingeht, wenn man dies ausschließlich auf die Ausführung in seinem privaten Bereich auslegt. Man arbeitet zunächst für sich und hat auch kaum Möglichkeiten bei Erfolg oder Mißerfolg in größere Diskussionen mit dem privaten Umfeld zu gehen. Entweder schürt dies Neid oder Mitleid. Beides erwartet man nicht und hilft einem auch nicht weiter.

Als Ausweg gibt es Trading-Büros, die allerdings bereits eine Klarheit über die persönliche Ausrichtung erfordern. Es scheint mir persönlich sogar so, dass für viele Trader (erfolgreich oder nicht) ein Ausweg hierfür ist, Seminare anzubieten, youTube-Channels zu gründen und Bücher zu schreiben oder Blogs zu posten, um der Einsamkeit zu entkommen und so wenigstens etwas Ausmerksamkeit zu ergattern.

Zurück zu den Statististiken die ein weitere Herausforderung in dem Trading belegen, die mangelnde langfristige Performance:

Erfolgsquote

Taiwan-Traders 2011

Day trading is an equilibrium feature of trading on the Taiwan Stock Exchange— accounting for almost 17% of total trading volume during our sample period. Individual investors account for virtually all day trading (over 99% of day traders and 95% of day trading volume). In an average year, 360,000 individual investors day trade, but only about 15% of this population is able to profit after a reasonable accounting for trading costs.

Erfolgsquote

CFD-Trader, 2014

For the study, AMF analysed data from authorised firms making up a very significant part of the CFD and forex market in France. It is the first reliable evaluation of the returns of individuals investing in forex and/or CFDs.

Decisive results:

Lessons drawn from the study confirm the danger of investing in this market for the public:

  • In four years, the percent of clients losing money across all providers combined is nearly 89%.
  • The average loss per client was nearly €10,900 between 2009 and 2012.
  • Over the four years, 13,224 clients together lost nearly €175 million, while the remaining 1,575 clients made a total profit of €13.8 million.

Erfolgsquote

eToro, 2017 (83.000 Trader)

Bei der Statistik wurden ca. 83.000 Trader untersucht, welche bei eToro gehandelt haben. All diese Trader haben mit echtem Geld gehandelt und haben mindestens 3 Trades in dem untersuchten Zeitraum abgesetzt.

Natürlich werden jetzt viele sagen, dass 3 Trades ja kein repräsentatives Ergebnis ist. Absolut richtig! Aber 3 Trades waren nur die Mindestanzahl und nicht der maximal Wert.

Was aus der Statistik herausgekommen ist, ist das 79,5% der Trader Geld verloren haben und im Durchschnitt lag der Verlust bei etwa 36% des Kontos. In der Statistik unten kannst du diese Ergebnisse nachvollziehen.

Meine Motivation mit einem automatischen Trading-Ansatz ist es daher nicht die Statistiken zu wiederlegen, sondern mit dem Wissen, um die Herausforderungen hierfür bewusst Lösungen zu suchen. Im Netz gibt es eine Unmenge von Artikeln zum Trading, aber für mein notwendiges Setup keinerlei Lösungen. Es fehlt für mich oft auch die Geradlinigkeit in der Analyse d.h. die Aufbereitung der Backtests in nachvollziehbarer Weise ebenso wie der Zugriff auf echte Trade-Statistiken.

Zielsetzung

Für mich ist das Ziel eine Lösung zu finden, den Markt automatisch mit den eigenen gewonnenen Erkenntnissen und Patterns zu „spielen“. Es geht damit ausdrücklich nicht um manuelles Trading mit seinem enormen Zeitaufwand, den emotionalen Schwankungen und der fast schon zwangsläufigen Vereinsamung und starrem Blick auf Charts. Es geht um die Automatisierung der Erkenntnisse in Strategien mit der Möglichkeit diese in Rückwärts (Backtesting) als auch Vorwärts -Testing zu verproben und anzuwenden. Mit dem Vorwärts-Trading meine ich das virtuelle Trading und bei Erfolg auch den Einsatz auf einem Real-Depot. Mein Endziel ist es dabei bei konstantem nachweisbaren Erfolg zu erhalten. Ein Teilziel der Anbindung an Social-Trading-Plattformen halte ich durch den mangelhaften Ruf dieser Plattformen für nicht erstrebenswert.

Die Renditeziele sind damit nicht primäre auf Höhe, sondern auf Konstanz, durchgängige Chancennutzung und Risikominimierung ausgelegt.

Konkrete messbare Zielsetzungen:

Sharpe-Ratio >0.3

Sharpe-Ratio als Maßstab der Rendite und des eingegangen Risikos > 0.3 (Rendite bei gleichzeitiger Risikominimierung)

Balance/Equitiy-Drawdawn < 20%

Balance/Equitiy-Drawdawn < 20%  (Risikominimierung)

Tradeaktivität >1 Trade pro Tage

Tradeaktivität >1 Trade pro Tage (Chancennutzung)

Netto-Rendite pro Jahr > 20%

Als Renditeziel sollen nach Gebühren, Spreads als Netto-Rendite pro Jahr > 20% erreicht werden. Das System soll dabei eher kontinuierlich als risikovoll vorgehen.
Die Diversifikation erfolgt dabei durch Nutzung aller Assetklassen d.h. gleichzeitiges Trading auf Forex, Devisen, Rohstof, Index-Märkten und Aktien.

Voraussetzungen

Die Voraussetzungen für das Setup habe ich mir bereits schaffen können und sind so in der Praxis auch seit mehr als 3 Jahren weitgehend funktionabel. Es kann unterschieden werden zwischen technischen und organisatorischen Randbedingungen:

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Trading-Server

Um überhaupt ein automatisches Trading-Setup zu finden, muss zunächst ein Trading-Server oder Trading-Cloud-Lösung aufgebaut werden mit geeigneten durchgängiger technischer Anbindung. Ich habe mich aus Kostengründen bewusst für das Setup eines eigenen Servers entschieden mit einem Kostenpunkt von ca. 320€. Das System ist für 24×7 Dauerbetrieb ausgelegt und kann in einem Büro (nicht aber im Schlafzimmer) von der Lautstärke problemlos betrieben werden. Es gibt bei vielen Anbietern sogenannte VPS-Lösungen, die ebenfalls eingekauft werden können. Diese stehen meiner Meinung nach aber in keinem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis da hier >>30€/Monat zu kalkulieren sind. Diese Kosten sind solange eine ausreichend performante Internetverbindung vorliegt unnötig.

  • HP ProLiant MicroServer (Gen8, G1610T, 1P, 4 GB-U, B120i, SATA-Server)
  • Upgrade mit Kingston KTH-PL313E/4G HP 4GB 1333MHZ DDR3 ECC
  • Upgrade mit Samsung MZ-75E250B/EU EVO 850 interne SSD 250GB (6,4 cm (2,5 Zoll), SATA III) schwarz
  • Die OS-Installation hängt von der Trading-Software ab.  Hier wurde aus Gründen der Kompatibilität Windows 10 Pro installiert, welches dann über den Monitorausgang oder über eine einfache Remote-Desktop-Verbindung (RDP) zugänglich gemacht wurde.
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Trading-Software

Hier habe ich über die Jahre relativ viele Lösungen geprüft und auch eine eigene Lösung nachwievor in Entwicklung (shareHOLDER). shareHOLDER ist aber eine Lösung für Investoren und nicht für Trader, da keine Zeiteinheiten <1d unterstützt werden. Es gibt eine Reihe von Faktoren die teilweise relativ unscheinbar formuliert erscheinen. Es sind aber in der Tat extrem relevante Kriterien die mittelfristig zwischen Erfolg und Nicht-Erfolg entscheiden.

  • Entwicklungs-Werkzeug mit IDE und z.B. Auto-Suggest-Unterstützung und nachvollziehbarer Entwicklungssprache z.B. C#, Java etc.
  • Backtesting-Support inkl. Genetischen Algorithemen für Parameter-Optimierungen der Strategien
  • Zugang zu >1y Kursdaten die im Backtesting verwendet werden können und den Praxisdaten entsprechen
  • Parallele Nutzung meherer Strategien auf unterschiedlichen Märkten
  • Nachvollziehbarkeit der Strategie durch Historie der Trades, grafische Aufbereitung der Ein-und Ausstiegspunkte z.B. als Deal-Map
  • Eigenentwickelte Indikatoren müssen autark in der Trading-Plattform einbindbar sein, um Strategie-Setups auch manuell zu optimieren
  • Logins müssen >24h gültig sein und keine Auto-Logoff durchgeführt werden bei gleichzeitig sehr hoher Stabilität der Lösung
  • Einfache Übertragbarkeit von Strategien zwischen Test und Produktivumgebung z.B. durch Export/Imports von Setups
  • Market-Place für die Nutzung von Fremdlösungen
  • Unterstützung von einrichtbaren Demo-Accounts
  • Mail-Schnittstellen für z.B. durchgeführten Trades
  • Direkte und zuzverlässige Broker-Anbindung

Verprobte nutzbare Lösung

IC-Markets cAlgo

Eines der (wenigen) Lösungen, die diese Anforderungen erfüllt ist der IC Markets cTrader-Algo (http://www.icmarkets.com/forex-trading-platform/ctrader/ctrader-algo/). Alle Anforderungen kann ich von meiner Seite mit mehr als 2 Jahren Erfahrung bestätigen. Lediglich wenn Wartungsarbeiten oder Störungen im Netzwerk auftauchen, kann es sein, dass manuell ein erneuter Login erforderlich ist. Leider ist in dieser Zeit auch das Markt-Monitoring und das Auto-Trading natürlich außer Betrieb gesetzt.

Richtiges Mindset

Das automatische Trading funktioniert aus meiner Sicht über adaptives Lernen von Mustern und Parametisierungen d.h. aktuell gehe ich von folgenden wesentlichen Thesen aus, die ich so in unzähligen Backtesting-Sessions auch bestätigen konnte:

  • Einmal funktionierende Setups funktionieren nicht in allen Marktphasen gleich gut und teilweise gar nicht
  • Strategien sind bei fehlerhafter Parametisierung insb. bei technischen Strategien schlicht unbrauchbar. Die Parameter unterscheiden sich teilweise wesentlich zwischen den Märkten und auch unterschiedlichen Zeiteinheiten d.h. 15min Trading ist ein anderes als ein 2h Trading.
  • Die Setups können sich nicht nur in der Phase sondern grundsätzlich über die Zeit verändern und sind damit z.B. alle 3 Monaten nachzujustieren
  • Auto-Trading funktioniert nur sinnvoll, wenn die Ergebnisse NICHT manuell beeinflusst werden durch Öffnen oder Schließen von parallelen Positionen, da man den Markt aktuell eventl. anders einschätzt, als die automatisch geöffneten Positionen zulassen

 

Um hier tatsächlich adaptiv zu lernen, müssen alle durchgeführten Trades, alle Erkenntnisse über die Zeit nachvollziehbar dokumentiert werden und optimalerweise als Programm-Code in das Handelssystem aufgenommen werden. Dies ist dabei der entscheidene Vorteil auch gegenüber manuellem Trading. Jede Erkenntnis aus dem Backtesting, Live-Trading, Externen Studien kann als Programm-Code in die Strategie aufgenommen werden, dann für die Vergangenheit grundsätzlich verifiziert werden und dann zunächst im Demo-Account verprobt werden.